Die Parochie als Körperschaft öffentlichen Rechts - Fundament gegen die strukturelle Entfremdung
Wer heute die kirchenoffiziellen Debatten zur Zukunft unserer Kirche verfolgt, wähnt sich oft nicht in einem Raum theologischer Reflexion, sondern in der Strategieabteilung eines kriselnden mittelständischen Konzerns. Unter dem technokratischen Schlagwort "Transformation" – prominent platziert von Julia Koll im Pfarrerinnen und Pfarrerblatt 01/2026 als ein Entwurf für eine "transparochiale Kirche" (1) – wird derzeit ein Szenario entworfen, das die gewachsene Ortsgemeinde nicht mehr als Fundament, sondern als Ressourcen verschlingerndes Auslaufmodell markiert.
Es ist ein Diskurs der "schleichenden Abwicklung", der hier geführt wird. Während die kirchliche Basis unter dem Diktat des Fachkräftemangels und einer erdrückenden Reform- und Verwaltungslast ächzt, entzünden kirchenleitende Thinktanks ein "Feuerwerk" an neuen Optionen und vernetzten Strukturen. Doch der Blick in die "Glaskugel", den Julia Koll unter Berufung auf Protagonisten wie Steffen Bauer wagt (2), verlässt zunehmend den Boden der Rationalität. Es wird eine kirchliche Zukunft in schillernden Farben gemalt, für die schlichtweg das Personal fehlt – ein "Placebo-Effekt", der den massiven Abwärtstrend der letzten Jahrzehnte weder stoppen noch verlangsamen konnte.
Besonders besorgniserregend ist dabei die Leichtigkeit, mit der zentrale theologische Kerngehalte zugunsten einer vagen "Resonanzkultur" (3) geopfert werden. Wenn "Kirche als Glaubensgemeinschaft" unter Verweis auf soziologische Studien als "umstritten" gilt (4), führt sie sich selbst ad absurdum. Wenn das Sakrament der Taufe zum spontanen "Wohlfühl-Event" (5) ohne Unterweisung und Umkehr herabgestuft wird, ist nicht mehr von evangelischer Freiheit, sondern von "billiger Gnade" (Dietrich Bonhoeffer) zu sprechen.
Dieser Artikel versteht sich als Einspruch. Er ist eine Entgegnung auf die zunehmende Entfremdung zwischen einer Reform-Elite, die sich in Governance-Strukturen und Stakeholder-Analysen verliert, und einer parochialen Wirklichkeit, die trotz systematischer Abwertung und finanzieller Auszehrung noch immer der Ort ist, an dem Kirche für die Menschen konkret inkludierend erfahrbar bleibt als Ort, wo alle Milieus und Generationen willkommen sind. Es ist Zeit, die rhetorischen Nebelkerzen der "Transparochialität" und anderer Begriffe aus dem aktuellen "Kirchensprech" beiseite zu schieben und zu fragen: Was bleibt vom Evangelium übrig, wenn wir die Orte aufgeben, an denen sich Kirche ereignet und auferbaut?
Das Ressourcen-Narrativ: Von der Last der Verwaltung und der Mär vom "Parochial-Privileg"
Julia Koll schließt sich einer Diagnose an, die in kirchenleitenden Kreisen mittlerweile fast sakrosankten Status genießt: Das parochiale System binde zu viele personelle und finanzielle Ressourcen, ohne den Prozess der Entkirchlichung wirksam abzupuffern. Es ist die Rede von einer "Kleinteiligkeit" (6), die offensichtlich nicht mehr in eine Zeit passt, in der nur noch in großen Dimensionen gedacht wird. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Argumentation als eine perfide Umkehr von Ursache und Wirkung.
Besonders entlarvend ist die Abwertung der parochialen Struktur als "kirchenrechtlich privilegiert". Hier wird ein Kampfbegriff verwendet, um bewährte Strukturen zu delegitimieren. Wenn die ortsgemeindliche Struktur mit ihrem Fokus auf persönlichem Kontakt als "elitär" oder "altmodisch" – anknüpfend an die Gemeindebewegung im späten 19. Jh. – und als theologisch "aufgeladener" Gemeindebegriff verspottet wird, dann verkennt dies den eigentlichen Kern kirchlichen Lebens (7). Ein Idealbild kirchlicher Praxis ist nicht deshalb verdächtig, weil es alt ist, sondern es ist deshalb beständig, weil es die Beziehungsdichte garantiert, die anonyme Großstrukturen niemals leisten können. Kirche lebt von Beziehungen zwischen Gott und Mensch und zwischen den Menschen untereinander. Gemeinde vor Ort als "communio sanctorum" bildet ein Netzwerk wechselseitigen Glaubens, Liebens, Lobens, Helfens und Hoffens.
Wenn Kirche von ihrem theologischen Profil her gedacht wird, dann stößt man unweigerlich auf Artikel 7 der Confessio Augustana (8) und auf das davon abgeleitete Ordinationsversprechen. Das Evangelium rein zu predigen, die Sakramente ihrer Einsetzung gemäß zu verwalten, Seelsorge zu üben und Menschen an den Wendepunkten ihres Lebens – von der Taufe bis zum Grab – mit Gottes Wort zu begleiten: Das sind keine verhandelbaren “Angebote” in einem religiösen Supermarkt. Es sind die Essentials. (9)
Ein Pfarramt, das sich auf diese Kernaufgaben konzentriert, ist keine Überforderung, sondern eine Befreiung. In einer chaotischen, digitalen Welt bietet gerade die parochiale Verlässlichkeit eine “geistliche Verankerung”. In diesem Punkt unterscheidet sich die Kirche radikal von allen anderen gesellschaftlichen Organisationen, hier ist das Proprium zu suchen. Eine Kirche, die in ihren Kanzelworten nur noch die Positionen von Parteien oder NGOs spiegelt, macht sich selbst überflüssig (10). Die Menschen zahlen ihre Kirchensteuer nicht für soziologische Analysen, sondern für die Vergewisserung des Heils. Die Entkirchlichung ist daher kein strukturelles Problem einer angeblich veralteten Parochie, sondern die Quittung für einen jahrelangen Profilverlust.
Wenn jetzt eingewendet wird, diese Sicht sei rückständig und pastorenzentriert, so ist dagegenzuhalten: Starke Pfarrpersonen und Gemeinden können miteinander und auch mit dem Kirchenkreis kooperieren - allerdings auf Augenhöhe! Selbstbewusste Gemeinden und Pfarrpersonen können mit kirchlichen Vorgaben lockerer umgehen, wenn die Wünsche von Gemeindegliedern - beispielsweise bei Kasualien - damit nicht ganz konform gehen, aber immer noch mit der biblischen Botschaft und dem evangelischen Bekenntnis vereinbar sind. Gestandene Pfarrpersonen haben überhaupt kein Problem damit, wenn Gemeindeglieder darum bitten, dass eine andere Person sie bei einem familiären Anlass begleitet. Und last, but not least: Pfarrpersonen, die in ihrer Parochie verwurzelt sind und leben, die arbeiten selbstverständlich mit ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern zusammen und gewähren jedem den Freiraum, der der gemeinsamen Arbeit zuträglich ist. Die Liste ließe sich fortsetzen!
Zudem muss kritisch gefragt werden, ob der Ressourcenmangel nicht auch durch die massive Ausdifferenzierung funktionaler Dienste und durch die Ausdehnung der Verwaltung mitverursacht wurde. Es ist eine bittere Ironie: Während man die Arbeit in der Fläche als "überholt" betrachtet, haben all die kostspieligen Strukturprozesse der letzten Jahrzehnte – von der "Kirche der Freiheit" bis zu aktuellen "Zukunftsprozessen" in der Hannoverschen Landeskirche – den Abwärtstrend nicht einmal verlangsamen können. Wer der Parochie das Versagen vorwirft, verschweigt das offensichtliche Scheitern der zentralistischen Reformmodelle, die zwar Beteiligung suggerieren, aber oft nur einen "Placebo-Effekt" ohne jede Überzeugungskraft entfalten. (11)
Die Farce der Entlastung: Von der Enteignung zur institutionellen Entfremdung
Wenn Julia Koll unter dem Banner der Transparochialität ein "Feuerwerk" neuer Optionen entfacht – von spezialisierten Segensnetzwerken über Online-Exerzitien bis hin zu multiprofessionellen Teams in Sozialräumen –, dann stellt sich jenseits der wohlklingenden Rhetorik eine ernüchternde Frage: Woher soll das Personal für diese kühnen Entwürfe kommen? Es ist eine bemerkenswerte Form der Realitätsverweigerung, solche Szenarien zu entwerfen, während der Fachkräftemangel längst nicht mehr nur das Pfarramt, sondern Kirchenmusiker, Diakone und Sozialarbeiter gleichermaßen erfasst. Wer in "multiprofessionellen Teams" flächendeckend arbeiten will, muss erst einmal Menschen finden, die bereit sind, sich in diese immer komplexer werdenden Strukturen zu begeben.
Doch die Reformstrategen lassen sich von solchen profanen Hindernissen kaum bremsen. Stattdessen wird die "Enteignung" und "Entmündigung" der Gemeinden vorangetrieben, indem Julia Koll den schon in der Vergangenheit vorgebrachten Vorschlag aufwärmt, die Kirchenkreise als unterste Ebene der Körperschaft öffentlichen Rechts zu definieren (12). Im Sammelband von Gisela Kittel und Eberhard Mechels (Hg.), "Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr" (13) kann man in vielen Beiträgen nachlesen, dass diese "Idee" schon seit den ersten Reformbeiträgen im EKD-Papier "Kirche der Freiheit" durch die Diskussion um die Zukunft der Kirche wabert. Dankenswerterweise nahmen zuletzt verschiedene Autorinnen und Autoren mit ihren Aufsätzen im Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt dieses Thema auf.
Was in kirchenleitenden Papieren euphemistisch als "Entlastung von Verwaltungsaufgaben" verkauft wird, entpuppt sich bei ehrlicher Betrachtung als eine beispiellose Entrechtung und Enteignung der Basis. Das Aktenstück 89_A der 26. Hannoverschen Landessynode vom 11. September 2024 gibt tatsächlich einen genauen Überblick. Hier die wichtigsten Punkte, die in der Hannoverschen Landeskirche in den nächsten Jahren von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zur Erprobung anstehen (14):
- Kirchengemeinden übertragen ihr Eigentum an Grundstücken und Gebäuden an den Kirchenkreis, aber auch die damit verbundenen Pflichten (z.B. Verkehrssicherungspflichten auf Gehwegen usw., Haftung für Personen und Sachschäden bei Unwettern).
Was für eine Organisation bürdet sich der Kirchenkreis damit auf? Sparmaßnahmen?
- Kirchengemeinden als Körperschaften des kirchlichen Rechts können nicht mehr Anstellungsträger von Personal sein. Dieses wird ihnen ganz oder teilweise vom Kirchenkreis zugewiesen. Diesem Personal gegenüber sollen die Kirchengemeinden weisungsberechtigt bleiben.
Konflikte sind vorprogrammiert.
- Kirchengemeinden als Körpgerschaften des kirchlichen Rechts haben keinen eigenen Haushalt mehr und müssen keine Haushaltsabschlüsse mehr aufstellen. Für ihre kirchliche Arbeit erhalten sie ein zurückgestuftes Budget.
Wenn neben diesen Punkten ausführlich aufgezählt wird, was die "Ortskirchengemeinden" - letztendlich ein bloßen Euphemismus für eine unselbstständige Filiale - auch in Zukunft weiterhin alles entscheiden können, dann fragt sich der aufmerksame Leser, warum der Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts nicht beibehalten wird.
Die Dringlichkeit dieser Frage verstärkt sich, wenn man den Impuls von Prof. Dr. Michael Germann, Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Staatskirchenrecht und Kirchenrecht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, zur Kenntnis nimmt. Germann betonte in seinem Vortrag für die synodale Arbeitsgruppe als zentralen Gesichtspunkt, "dass der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts ein großes erhaltenswertes Gut sei, das größtmögliche Entfaltungsfreiheit biete. Dieser Status sei ein Ausdruck bürgerlicher Freiheit - insofern auch ein kirchlicher Beitrag zur Demokratiebildung - und wichtig für die Selbstbestimmung der Zukunft." (15)
Ist es bezeichnend … - nein, es ist keine Frage, es muss als Aussage formuliert werden: Es ist bezeichnend, dass die profunde und kenntnisreiche Aussage eines durch sein Forschungsgebiet ausgewiesenen Experten in der weiteren Entwicklung offensichtlich kaum eine Rolle spielte. Ob die Synode mit dem Beschluss zur Erprobung Prof. Dr. Emanuel V. Towfigh (16) folgte, der die Bahá’í-Gemeinde in Deutschland vertritt, ist nicht ganz wahrscheinlich. Die 6.000 Mitglieder zählende Bahá’í-Gemeinde ist auf der obersten Ebene eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die über Deutschland verteilten örtlichen Gemeinden arbeiten mit Vollmachten. Diese Struktur lässt sich schwerlich auf die 2.000.000 Mitglieder zählende Landeskirche Hannovers übertragen.
Eher entsprach wohl der Vortrag von Prof. Dr. Hermelink der Position der Synode. "Ausgangspunkt", so wird Hermelink zitiert, "sei die verlorene Einheit der ‘Parochie’ mit abgegrenztem Territorium, einer Kirche, einem Pfarrer, mit der Zuständigkeit für die Kausalien. Die Gegenwart sei gekennzeichnet durch organisatorische Pluralisierung, immer neue Erprobungen und Experimente, Personalisierung und Teambildung, Lokalisierung und gleichzeitiger De-Territorialisierung. (17)" Das lag und liegt doch ganz und gar auf der Linie der "Kirchenreformer".
Es ist nicht so, dass Kirchengemeinden keine Erfahrungen mit Zentralisierungen haben. Man nehme aus den zurückliegenden Jahren die Übertragung der Kita-Trägerschaften: Ja, es gab eine formale Arbeitsentlastung für die Kirchenvorstände. Aber der Preis ist hoch: Die inhaltliche Arbeit wurde nicht zwingend gefördert, stattdessen verschwand eine vitale Kontaktfläche zwischen Gemeinde und Einrichtung. Wir wiederholen hier Fehler der Vergangenheit. Erinnert sei an die Gemeindeschwester, die einst integraler Bestandteil des Gemeindelebens war. Heute ist vielen Klienten und sogar Mitarbeitenden in den professionalisierten Großstrukturen von Diakonie und Caritas oft gar nicht mehr bewusst, dass sie es mit kirchlichen Einrichtungen zu tun haben.
Die transparochiale Vision droht diesen Prozess der unsichtbaren Kirche zu vollenden. Wenn die Gemeinde vor Ort nicht mehr den Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzt, kaum noch über die Verwendung der Finanzmittel entscheidet, kein Eigentum mehr verwaltet und kein eigenes Personal mehr führt, verliert sie ihre Sichtbarkeit und Wirksamkeit im Sozialraum. Am Ende steht eine Kirche, die - angeblich - über optimierte Governance-Strukturen verfügt, aber die Verbindung zu den Menschen und den Orten, an denen sie lebt, endgültig verloren hat.
Viel schwerwiegender als die ökonomische Fehlkalkulation wiegen dabei die geistlichen und menschlichen Flurschäden. Am Fallbeispiel der Gemeinde Manker-Temnitztal im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin (18) zeigt sich die ganze Härte kirchenleitender Disziplinierung: Wer Mitspracherechte einforderte und den Zentralisierungsdruck kritisierte, sah sich gezielten Diskreditierungen, Dienstaufsichtsbeschwerden und zermürbenden Disziplinarverfahren ausgesetzt. Wenn eine Kirchenleitung beginnt, kritische Gemeinden und ihre Pfarrer mit dem Instrumentarium der "Ungedeihlichkeit" zu überziehen, hat sie den Boden reformatorischer Werte verlassen. Das Resultat solcher "Transformation by Design" (19) sind Proteste, Rücktritte engagierter Ehrenamtlicher und letztlich Kirchenaustritte aus tiefer Verbitterung. Eine Kirche, die so agiert, wird zur "Anti-Kirche" (20), die ihre eigenen Wurzeln kappt, während sie in der Glaskugel von einer transparochialen Zukunft träumt.
Die theologische Entkernung: Sakramente als Wellness-Event und das Ende des traditionellen Pfarramts
Der aktuelle Diskurs um den strukturellen Umbau der Kirche zur sogenannten "Transparochialität" erweist sich bei näherer Betrachtung als weit mehr denn ein bloßes Organisationsprojekt. Vielmehr steht das theologische Fundament der Reformation selbst zur Disposition. Wo die "Transformation" nach dem Entwurf von Julia Koll, Steffen Bauer u.a. zur Leitmaxime erhoben wird, droht die Kirche den Boden des Evangeliums (vgl. Mt. 18,20) zu verlassen und sich in den Bereich einer "Glaskugel-Theologie" zu verflüchtigen.
Ein prägnantes Beispiel für diesen geistlichen Substanzverlust findet sich in der Praxis von Tauffesten, wie sie Bauer als Modell einer neuen kirchlichen Wirklichkeit feiert (21). Wenn erwachsene Menschen spontan und ohne vorhergehende inhaltliche Vorbereitung am Rheinufer getauft werden, mag dies als niedrigschwelliger Erfolg erscheinen, stellt jedoch theologisch die Vermittlung einer "billigen Gnade" im Sinne Bonhoeffers dar.
Nach Römer 6 ist die Taufe eben kein psychologisches Wellness-Event zur Bestätigung des Hier und Jetzt, sondern ein radikaler Identitätswechsel - das mit-Christus-Begraben-und-Auferweckt-Sein. Wer die Taufe auf ein bloßes "Resonanzerlebnis" reduziert, entzieht dem Sakrament seinen tiefen Sinn und handelt zudem ethisch fragwürdig. Es grenzt an Manipulation, wenn Menschen in einem Moment vager Begeisterung vorschnell gebunden werden, während grundlegende Glaubensinhalte sowie kirchen- und steuerrechtliche Verpflichtungen möglicherweise unerwähnt bleiben oder nicht ausreichend bedacht werden. Die "Pfingstbegeisterung" (22) droht so bei der ersten Steuererklärung in bittere Enttäuschung umzuschlagen.
Parallel zur Sakramentsvergessenheit vollzieht sich eine systematische Entprofessionalisierung des Pfarramts. Das klassische Modell des Pfarrers, der das Wort Gottes verkündigt, die Sakramente reicht und den Menschen als fundierter Seelsorger begegnet (23), wird zunehmend als innovationshemmendes Auslaufmodell diskreditiert. Dabei betonen die EKD-Mitgliedschaftsstudien seit Jahren eindeutig die zentrale Stellung des Pfarrers als "Pastor loci". Er ist erster Ansprechpartner, Vertrauensperson, Kommunikationswirt, Bezugsperson. Wer den Ortspfarrer kennt, tritt nicht so schnell aus der Kirche aus. Bauer plädiert stattdessen für einen Rollenwechsel: Weg vom "solistischen" Einzelkämpfer, hin zum "Ermöglicher" und Moderator in multiprofessionellen Teams. "Wenn Menschen Gotteserfahrungen mitbringen, müssen wir sie machen lassen", so Bauer. (24)
Kritiker mahnen, dass mit dieser Entwicklung die theologische Kernkompetenz verloren geht. Die akademische Ausbildung von Pfarrpersonen dient nicht dem Elitarismus, sondern der fundierten Auslegung des Evangeliums. Prof. Dr. Anne Käfer, Systematische Theologie in Münster, drückte es im Interview mit Wilfried Behr im Hannoverschen Pfarrvereinsblatt so aus: Pfarrerinnen und Pfarrer "müssen unbedingt ihren Glauben für sich selbst reflektiert haben, um dann dazu in der Lage zu sein, davon zu anderen zu sprechen, so dass diese dazu fähig werden, wiederum ihren Glauben zu reflektieren, seien es Drittklässler:innen oder 70jährige Senior:innen. Das ist ungemein herausfordernd. Es geht eben um alles." (25) Ohne eine klare, theologisch fundierte Leitung droht die Gemeinde in eine vage, rein subjektive Religiosität abzugleiten. Werden Pfarrerinnen und Pfarrer zum bloßen Eventmanager degradiert, schwindet die spezifisch theologische Deutungskraft im Alltag. Die aber ist in unserer Gesellschaft nach wie vor erwartet und gefragt
Steffen Bauer beruft sich in seiner Argumentation auf Martin Luther, der den "einfachen Menschen" zuspräche: "Ihr seid bevollmächtigt, über die Lehre der Kirche zu entscheiden." Das, so sagt es Bauer, fände er großartig. Er kritisiert, dass heutzutage in der Ortsgemeinde ein "bestimmtes Bildungslevel" von Nöten sei, um "in Kirche, Glauben, Theologie" mitreden zu können. Bauer dann weiter: Luther traute "Kirche der Menschen" seinen Bauern zu! Er sprach ihnen ganz biblisch zu, "ihr seid das königliche Priestertum!" (26)
Entweder hat Steffen Bauer Luther nicht verstanden - oder er reißt die Sätze bewusst aus dem Zusammenhang. Luther ging es in seiner Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation" (1520) primär um den unmittelbaren Zugang zur Gnade Gottes. Er wandte sich gegen die römische Hierarchie. Er wollte die geistliche Mauer zwischen Klerus und Laien niederreißen. Jeder ist "geistlichen Standes".
Das bedeutete im Umkehrschluss aber nun gerade nicht, dass jeder nach "Herzenslust" das Wort Gottes auslegen könne. Im Gegenteil, Luther war erschüttert über den Bildungsnotstand, den er bei den Visitationen vorfand. In seinen Katechismen sah er kein Herrschaftswissen, sondern ein Befreiungswissen. Nur wer die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser kennt, kann seinen Glauben gegenüber Irrtümern verteidigen. Das "öffentliche Amt der Wortverkündigung" (Pfarrer) blieb für Luther essenziell. Nicht jeder soll willkürlich lehren, sondern derjenige, der ordnungsgemäß berufen und ausgebildet ist. (27)
In diesem Sinn ist festzuhalten, dass die Merkmale des Pfarrberufes mit Profession, die hochschulische Ausbildung, die Ordination und die Expertenautonomie keine elitären Privilegien sind, sondern die Sicherung dafür, dass das "Ja" der Menschen vor Gott ein informiertes und ernsthaftes Ja bleibt. Wer das Pfarramt auf eine rein moderierende Funktion reduziert, verliert die kritische Instanz, die berufen ist, die bleibende Wahrheit des Evangeliums gegen die Kurzatmigkeit zeitgeistiger Gefühle zu behaupten. Eine Kirche, die ihre DNA so radikal ändert, mag sich für eine weitere Generation als soziale Organisation retten – sie verliert aber das, was sie im Kern ausmacht: die Wahrheit des Evangeliums, die weit über das bloße Gefühl hinausgeht. (28)
Die Governance-Illusion: Machtverschiebungen und die Entfremdung von der Basis
Zum Abschluss ihrer Überlegungen benennt Julia Koll eine Reihe "offener Fragen" zu Leitung, Partizipation und Macht in einer transparochialen Kirche (29). Doch die von ihr skizzierten Lösungsansätze – etwa die Orientierung an Strukturen von Nonprofit-Organisationen mit Aufsichtsräten oder "buntere Bilder von Synoden" – verschleiern das eigentliche strukturelle Dilemma. Wir erleben derzeit keine Demokratisierung, sondern eine schleichende Verschiebung der Entscheidungsgewalt weg von der presbyterial-synodalen Basis hin zu hochzentralisierten Apparaten mit einer Hierarchie, die ein "top-down-Durchregieren" ermöglicht..
In den neuen, großräumigen Gebilden ist das von Koll angestrebte Gleichgewicht zwischen "gemeinsam Verabredetem" und "kirchlichem Wildwuchs" (30) eine reine Illusion. Tatsächlich führt die Regionalisierung zu einer Dominanz der hauptamtlichen Verwaltung und der ephoralen Leitung. Diese verfügen über einen Wissens- und Organisationsvorsprung, dem das Milieu der Ehrenamtlichen kaum noch etwas entgegenzusetzen hat. Während in der Politik Parteien zur Willensbildung beitragen, stehen an der kirchlichen Basis einzelne Vertreter oft isoliert gut vernetzten Strategen gegenüber, die ihre Reformagenda mit professioneller Rhetorik durchsetzen. (31)
Besonders kritisch ist die Frage der "Stakeholder" (32) – also derjenigen, die das System durch ihr Engagement und ihre Kirchensteuer tragen. Koll sorgt sich um die "intrinsische Motivation" derer, die sich jahrzehntelang parochial engagiert haben, und möchte ihr "organisationales Bewusstsein" wecken. Doch das klingt wie eine pädagogische Herablassung gegenüber den "Shareholdern" der Kirche, den Gemeindegliedern. Was passiert, wenn diese, die steuerzahlenden Gemeindeglieder die Entwicklung schlicht nicht mehr mittragen und austreten, weil sie ihre geistliche Verwurzelung in den anonymen Großstrukturen nicht mehr wiederfinden? Wenn das finanzielle Fundament an der Basis wegbricht, kollabieren auch die transparochialen Luftschlösser.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich kirchenleitende Thinktanks in einer Blase bewegen. In einer Art kollektivem Rausch meint man, in der "Glaskugel" eine schillernde Zukunft wahrzunehmen, während man den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Gemeinden längst verloren hat. Die von oben eingeleiteten Prozesse entfalten keine Überzeugungskraft, weil sie das Beharrungsvermögen der Basis als bloßes Hindernis statt als Ausdruck einer tiefen Verwurzelung begreifen. Eine Kirchenreform, die gegen die Menschen an der Basis geführt wird, ist zum Scheitern verurteilt – sie ist keine Erneuerung, sondern eine Form der Selbstaufgabe.
Fazit: Plädoyer für eine geerdete Kirche – Wider die transparochiale Entfremdung
Die von Julia Koll und anderen Reformern propagierte "Transformation" - wie auch immer die dann weiter ausgemalt wird - erweist sich bei näherer Analyse nicht als der rettende Anker in stürmischer See, sondern als ein riskantes Manöver, das die Substanz der Kirche zu opfern droht, um ihre äußere Hülle zu modernisieren. Wenn wir die Ergebnisse unserer Untersuchung zusammenführen, zeigt sich ein Bild der tiefgreifenden Unklarheit der Kirchen über sich selbst. Es ist das Bild einer Institution, die im Begriff ist, ihre wertvollste Ressource – die unmittelbare, beziehungsorientierte Gegenwart vor Ort – für ein technokratisches Organisationsmodell preiszugeben.
Wir müssen konstatieren:
- Die strukturelle Sackgasse: Das Narrativ vom "Zusammenbruch" des parochialen Systems ist eine Provokation, die durch den absichtlichen Entzug von Ressourcen und die Abwertung der Basis erst Realität wird. Die Verlagerung der Entscheidungsgewalt auf die Kirchenkreisebene schafft keine Synergien, sondern zementiert die Herrschaft der Apparate und entmachtet das Ehrenamt.
- Die personelle Illusion: Das "Feuerwerk" an neuen Optionen, das in kirchenleitenden Thinktanks entzündet wird, ignoriert den eklatanten Fachkräftemangel, der nicht nur Pfarrer, sondern alle kirchlichen Berufe betrifft. Es werden Angebote entworfen, für die schlicht die Menschen fehlen, die sie mit Leben füllen können und vor allem wollen.
- Der geistliche Ausverkauf: Die Reduktion von Sakramenten wie der Taufe auf "niederschwellige Events" und die Degradierung des Pfarramts zum bloßen "Ermöglicher" höhlen den Kern des Evangeliums aus. Eine Kirche, die ihre Identität als Glaubensgemeinschaft selbst als "umstritten" bezeichnet, verliert ihre Existenzberechtigung und nicht zuletzt ihre Attraktivität.
Die Warnsignale aus der Praxis, wie der Konflikt in Manker-Temnitztal im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, dürfen nicht länger als bloßes "Beharrungsvermögen konservativer Kräfte" abgetan werden. Sie sind der Ausdruck einer tiefen Entfremdung von reformatorischen Werten und ein Protest gegen eine "Anti-Kirche", die ihre eigenen Wurzeln kappt.
Es ist an der Zeit, die "Glaskugel" beiseite zu legen und sich wieder der Realität zuzuwenden. Eine zukunftsfähige Kirche braucht keine transparochialen oder wie auch immer gearteten Luftschlösser, sondern eine mutige Stärkung der Parochie. Wir brauchen keine "NGO mit Glockengeläut", sondern lebendige Gemeinden, die als Schutzräume der Wahrheit und Orte der Beziehungsdichte erfahrbar bleiben. Der Erfolg künftiger Reformen wird sich nicht an der Komplexität ihrer Governance-Strukturen messen lassen, sondern daran, ob sie den Menschen an der Basis wieder das Gefühl geben, dass sie – und ihr Glaube – das eigentliche Fundament dieser Kirche sind.
Statt die Parochie abzuwickeln, sollten wir sie entlasten: durch echte Verwaltungsreformen, durch eine Rückbesinnung auf das geistliche Amt und durch den Mut, wieder Kirche "vor Ort" zu sein – auch wenn das bedeutet, sich gegen den zentralistischen Zeitgeist zu stellen. Nur so wird die Kirche von Gott her eine Zukunft haben, die diesen Namen verdient.
Anmerkungen
(1) Julia Koll, Transparochiale Kirche, Voraussetzungen und Verheißungen, in Deutsches Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt (DPfBl), 01/2026 - gelesen und zitiert in der Onlineversion - https://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/aktuelle-beitraege?tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Baction%5D=show&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Bcontroller%5D=Item&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5BitemId%5D=6106&cHash=9a03f732ffb4db99 zurück
(2) Julia Koll, a.a.O. "Der akademische Diskurs meidet an diesem Punkt die Konkretion … Steffen Bauer dagegen wagt einen Blick in die Glaskugel und hofft einerseits auf eine Stärkung der "regio-lokalen Kirche"…" zurück
(3) vgl. dazu Steffen Bauer im Interview: "Die DNA der Kirche wird gerade auf den Kopf gestellt." am 27. November 2023 - https://www.jesus.de/glauben-leben/die-dna-der-kirche-wird-gerade-auf-den-kopf-gestellt/ zurück
(4) Julia Koll, a.a.O. "Aus der jüngsten VI. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung ist zu lernen, dass es gewisse Erwartungen an einen beherzten kirchlichen Einsatz fürs Gemeinwohl im Geiste der Nächstenliebe gibt, und zwar von Konfessionslosen ebenso wie von Kirchenmitgliedern. Die Kirche als religiöse Organisation oder gar als Glaubensgemeinschaft dagegen ist umstritten." zurück
(5) vgl. Steffen Bauer a.a.O. zurück
(6) Julia Koll a.a.O. zurück
(7) Julia Koll a.a.O. "Sie (die parochialen Organisationsform) ist mit ihrem Fokus auf persönlichem Kontakt und geselligen Formen bis heute ein praktischer Ausdruck eines seit der Gemeindebewegung im späten 19. Jh. gültigen Idealbilds kirchlicher Praxis und wird dabei zumeist eng verbunden mit einem auch theologisch aufgeladenen Gemeindebegriff." zurück
(8) Artikel 7: Von der Kirche - "Es wird auch gelehrt, daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden." (https://www.ekd.de/Augsburger-Bekenntnis-13454.htm) zurück
(9) vgl. Frank Weyen, Das evangelische Pfarramt – Aspekte des Pfarrberufes im Wechsel der (Ge-)Zeiten, Hannoversches Pfarrvereinsblatt 2/2024, S. 15: "Wir sind als Profession: Behüter:innen • der Institution, • des Wortlautes und des Inhaltes der Heiligen Schrift, • der theologischen Lehre der Kirche, • der Bekenntnisse und Gesetze der Kirche sowie • der Sakramente •in Verantwortung vor Gott und der Kirche und • für die Menschen, zu denen wir durch Jesus Christus gesandt sind. Mehr braucht es für unsere Profession eigentlich nicht. Und das alles macht auch unsere Identität als Pfarrpersonen aus." zurück
vgl. Frank Weyen, Profession in der Krise - Das Pfarramt ? eine überkomplexe Herausforderung, in DPfBl 11/2019 - gelesen in der Onlineversion - https://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/archiv?tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Baction%5D=show&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Bcontroller%5D=Item&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5BitemId%5D=4851&cHash=acc5feb0ebfe199f462263f6d8848019
(10) vgl. dazu Dr. Alexander Will in seinem Artikel "Mehr Gottesdienst statt Parteiversammlung" in der Nordwestzeitung (NWZ) vom 21.12.2025: "Weihnachten fällt auf: Kirchen verlieren spirituelle Bedeutung. Statt von Religion sind sie von Politik dominiert. Deswegen braucht es mehr Trennung von Staat und Kirche." - "Kirche verliert an Bindungskraft, weil sie ihre eigentliche Rolle nicht mehr ausfüllt. Damit aber stehen klerikale Ausflüge in die Tagespolitik von vornherein und immer mehr auf zweifelhafter Basis. Zum Zweiten sollte das Bröckeln der Anhängerschaft Kirchenstrategen aller Konfessionen vor Augen führen, dass galoppierende Politisierung ihre Institutionen nicht vor dem Sturz in die Irrelevanz retten wird." zurück
(11) "Kirche der Freiheit" (2006) proklamierte Leuchttürme statt Arbeit in der Fläche, Zusammenarbeit in der Region und Stärkung der mittleren Ebene. Im Blick auf den hannoverschen "Zukunftsprozess" berichtet das "Politikjournal für Niedersachsen" am 14.05.2023 von der Frühjahrssynode der Hannoverschen Synode und fragt: "Zukunft gescheitert? Die Landeskirche Hannovers ringt um ihren Erneuerungsprozess". Christine Rinne und Friedrich Selter aus dem "Koordinierungsrat" des landeskirchlichen Zukunftsprozesses werden mit dem Satz zitiert: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, den Prozess in seiner jetzigen Struktur zu beenden." Dem folgt die Synode zwar nicht, muss aber erkennen, dass die hochgesteckten Ziele für eine Beteiligung massiv verfehlt wurden. Geblieben ist der Ansatz: "Glauben ermöglichen". - Neben diesen beiden Punkten können noch die Stichworte genannt werden: Kirche als "NGO mit Glockengeläut": Nachhaltigkeit (2018) - 12 bzw. vorher 11 Leitsätze "Kirche auf gutem Grund" (2020) - Welle-Bewegung in der Hannoverschen Landeskirche. Der für dieses Jahr in Hannover angesetzte und im großen Stil geplante Kirchenvorstehertag musste mangels Anmeldungen abgesagt werden. zurück
(12) vgl. dazu auch Rainer Mainusch, Der rechtliche Rahmen einer Kirche im Transforationsprozess, in: ZevKR 65 (2020) Zwar hält der Juristischen Vize-Präsident Dr. Rainer Mainusch die Abschaffung des Parochialprinzips für unklug, Veränderungen im Parochialrecht seien aber durchaus angezeigt hinsichtlich Organisationsgewalt, Dienstherrenfähigkeit, Kirchensteuern (373f.) Er spricht von der bleibenden Bedeutung der "überkommenen" Parochialgemeinde (S. 376) und schlägt vor, dass künftig nicht mehr die Kirchengemeinden, sondern die Kirchenkreise als unterste Ebenen der Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts definiert werden. (S. 378f) zurück
(13) Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr, Göttingen, 22017 zurück
(14) Aktenstück 89_A der 26. Hannoverschen Landessynode vom 11. September 2024, S. 8-11 zurück
(15) a.a.O. S. 11 zurück
(16) a.a.O. S. 12f zurück
(17) a.a.O. S. 14 zurück
(18) Tobias Scheidacker, Das gescheiterte »Reformmodell« der EKBO im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, in: Gisela Kittel, Eberhard Mechels (Hg.), Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr, Göttingen, 22016, S. 181-206 zurück
(19) Julia Koll, a.a.O., zitiert Steffen Bauer zurück
(20) Tobias Scheidacker S. 182 zurück
(21) Steffen Bauer, a.a.O. zurück
(22) Steffen Bauer, a.a.O. zurück
(23) vgl. Frank Weyen, Das evangelische Pfarramt zurück
(24) Steffen Bauer, a.a.O. zurück
Dass Menschen ihre Erfahrungen, Kenntnisse und Ideen in die Arbeit der Gemeinde eintragen, steht außer Frage. Aber wenn Bauer sagt: "Wir brauchen eine Haltung des ‘Ich lasse zu. Ich lasse andere machen. Ich lasse etwas zu, was meinem eigenen Kirchenverständnis, meinem Erfahrungshintergrund gar nicht entspricht.’ (a.a.O.), dann widerspricht der Verfasser dieser Zeilen. Kriterien des Zulassens sind und bleiben biblisches Zeugnis und evangelisches Bekenntnis. Bauer sagt: "Wir haben nichts zu verlieren." Und er verweist wieder auf Taufen "in der Öffentlichkeit, in Bädern, an Seen und Flüssen". Da kommen "ganz andere Menschen", es entsteht ein "ganz anderes Gemeinschaftsgefühl". Ist das das Ziel einer Kirchenreform?
(25) vgl. Interview mit Prof. Dr. Anne Käfer, Professorin für Systematische Theologie in Münster, Hannoversches Pfarrvereinsblatt 2/2024 S. 43 zurück
(26) Steffen Bauer, a.a.O. zurück
(27) Luther Deutsch, Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart, hrsg. Kurt Aland, Göttingen 21981, S. 161 "Was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, solch Amt auszuüben." (Adelsschrift) zurück
(28) Dass zum Pfarrberuf auch Verwaltung gehört, darf nicht verschwiegen werden. Solange die Kirchenämter sich darauf konzentrieren konnten, die Kirchengemeinden und ihre Vorstände zu begleiten, war diese Verwaltung auch zu bewältigen. Erst in dem Moment, als verstärkt gemeindefremde Leistungen (Abrechnung beispielsweise für die Diakonischen Werke) und Instrumente (Doppik) dazu kamen und im Gegenzug nicht für Entlastung der Arbeitskräfte gesorgt wurde, wurde die Verwaltung im Pfarramt eine Belastung. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema sprengt aber den Rahmen dieses Aufsatzes. zurück
(29) Julia Koll, a.a.O. zurück
(30) a.a.O. zurück
(31) vgl. dazu auch Christoph Bergner, Der Verlust der Nähe - Wie die Kirche den Bezug zu sich selbst und zu ihren Mitgliedern verlor, in DPfBl 10/2025 - gelesen und zitiert in der Onlineversion https://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/archiv?tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Baction%5D=show&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5Bcontroller%5D=Item&tx_pvpfarrerblatt_pi1%5BitemId%5D=6067&cHash=38791b4eccaeb9e638438cf6b2d46f7c Zusammenfassend kann man Bergners Position so beschreiben: Die kirchlichen Synoden laufen Gefahr, zu symbolischen Akklamationsgremien zu verkommen. Das demokratische Ideal der Synodalität wird durch das Fehlen professioneller Organisation und die Informationshoheit der Kirchenleitung und -verwaltung entwertet. Um die Funktionsfähigkeit und die Legitimation ihrer Kirchenparlamente zu sichern, müssten Wege gefunden werden, um die ehrenamtliche Kontrolle personell und strukturell zu stärken. zurück
(32) Julia Koll, a.a.O. zurück
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