Oder: Wie man die Basis beglückt, während das Fundament bröselt
Alternativlos ins Struktur-Glück
Das in der FAZ am Reformationstag 2026 veröffentlichte Gespräch von Reinhard Bingener mit dem Theologen Steffen Bauer legt einmal mehr den Finger in jene Wunde, die von den Kirchenleitungen gerne als zukunftsweisender Change-Prozess verpackt wird, den Spagat zwischen unabweisbarem ökonomischem Druck und dem schleichenden Identitätsverlust an der Basis. Auffällig ist dabei vor allem die schier rührende Alternativlosigkeit, mit der das allseits präferierte „regio-lokale“ Konzept durch die Landeskirchen gejagt wird – stets begleitet von Steffen Bauer als omnipräsentem Chef-Architekten dieses strukturellen Glücks.
Kooperation per Dekret – Wenn der Reformsegen abperlt
Dass der so verordnete Reformsegen bei den Betroffenen vor Ort auf ein gerüttelt Maß an Skepsis stößt, scheint in den oberen Etagen freilich niemanden zu stören; Kritik perlt dort ab wie der Regen vom Dach der sanierungsbedürftigen Dorfkirche. Zwar beschwört Bauer im Interview, dass Kirche auch künftig von „Beziehung und Bindung vor Ort“ lebt. Doch wer von oben eine verbindliche Zusammenarbeit dekretiert und eine einheitliche Verwaltung überstülpt, darf sich nicht wundern, wenn aus der erhofften Kooperation vor allem eines wird: eine verkrampfte Abwehrhaltung. Gute Zusammenarbeit lässt sich eben so wenig anordnen wie die nächste Erweckung; sie muss wachsen – andernfalls verpufft wertvolle Energie in Grabenkämpfen, während die angestrebte Zusammenarbeit und damit letztendlich auch der Dienst vor Ort auf der Strecke bleibt.
Multiprofessionelle Traumtänzerei und die Realität im Pfarramt
Apropos Ressourcen: Während sich der Ortspfarrer mit einem Aufgabenpensum abrackert, das längst in seine persönliche Lebensführung ausgreift, hält man starr an übergemeindlichen Sonderstellen fest, deren Sinnhaftigkeit sich dem Beobachter an der Basis seit Jahren nicht mehr erschließt. Warum konzentriert man sich nicht auf das Wesentliche vor Ort? Wenn stattdessen in den Konzepten der Ruf nach „multiprofessionellen Teams“ ertönt, wähnt man sich unwillkürlich in den Management-Seminaren der freien Wirtschaft. Woher in Zeiten des flächendeckenden Fachkräftemangels neben den immer weniger werdenden Pfarrpersonen die händeringend gesuchten Pädagogen oder Kirchenmusiker kommen sollen – nach dem Motto „woher nehmen, wenn nicht stehlen“ –, bleibt das Geheimnis der Planungsstäbe. Völlig im Dunkeln ruht zudem die Frage, wie diese bunten Teams bei völlig unterschiedlichen Anstellungsverhältnissen praktisch funktionieren sollen, wer die Verantwortung trägt und welch enormer Abstimmungsbedarf dafür nötig ist.
Von „denen da oben“ und historischen Altlasten
Wenn Steffen Bauer ferner moniert, das flächendeckende Gemeindesystem sei „viel zu teuer“, greift diese Behauptung reichlich kurz. Bevor man die lebendige Substanz vor Ort abwickelt, wäre es an der Zeit, die Apparate und Ämter der Landeskirchen und der EKD – wie es Bauer richtigerweise selbst fordert – einer radikalen Bestandsaufnahme zu unterziehen. Dass in dieser Hinsicht freilich so gut wie nichts passiert und stattdessen Reformen starr von oben dekretiert werden, provoziert trefflich jenes hartnäckige Bild von „denen da oben“. Dank des feinen Informationsvorsprungs der Kirchenleitungen und ihres professionellen Framings bleiben den Synoden ohnehin kaum Chancen zum wirksamen Widerspruch – man nickt, segnet ab und wundert sich. Als historische Erblast kommt hinzu, dass sich das tiefe Misstrauen aus jahrzehntelanger, verfehlter Personalpolitik speist: Man erinnere sich nur an die restriktiven Einstellungsmaßnahmen und erzwungenen Stellenteilungen der 1980er und 1990er Jahre, deren bittere Quittung die Kirche bis heute bar bezahlt.
Enteignet, entmachtet – und nun bitte reich werden
Wenn schließlich Reinhard Bingener die brisante Frage nach schwindenden Kirchensteuern und dem Entzug des gemeindlichen Eigentums stellt, offenbart sich endgültig die Achillesferse des ganzen Plans. Nach Steffen Bauers Logik sollen die Kirchengemeinden künftig nämlich eigenständig neue Geldquellen erschließen, weil die Kirchensteuer auf Dauer nicht mehr reicht. Der genial-absurde Clou dabei: Die Gemeinden geben zuvor fein säuberlich alles ab – Verantwortung, Finanzen, Grundstücke, Immobilien und jegliche eigenen Einnahmequellen –, um im Gegenzug mit einer spärlich bemessenen Zuteilung (gerne auch als „Kekskasse“ zu bezeichnen) abgespeist zu werden. Wenn dann die Kirchenkreise und Landeskirchen trotz dieser Komplettenteignung wegen sinkender Einnahmen selbst auf dem Trockenen sitzen, soll also just die Basis, die soeben jeglicher Substanz beraubt wurde, plötzlich neue Finanzierungsquellen aus dem Hut zaubern. Vielen Dank für diesen wirtschaftsgenialen Zirkelschluss! Damit entlarvt sich die Erwartung als Realitätsverweigerung pur.
Fazit
Man darf sich daher fragen: Wenn „Transformation by Design“ in der kirchlichen Praxis bedeutet, dass die Basis entmachtet und mit wohlfeilen Management-Floskeln abgespeist wird, läuft das Ganze am Ende auf eine ganz andere Art von Transformation hinaus – nämlich auf eine saubere “Transformation to Disaster”.
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| KI-generiert |

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